Dunkirk – die Kunst der Angst

Quelle: Youtube, Warner Bros Studios*²

Dunkirk ist anders als viele Filme und doch typisch für Christopher Nolan. Ihm wird vorgeworfen nicht auf die Charaktere und deren Geschichte einzugehen. Und das ist auch gut so. Es ist nicht das Produkt eines schlechten Drehbuchs oder eines Fehlers, sondern das bewusste Kernelement des Films. Bei einem üblichen Film hat man meist einen Protagonisten oder seltener zwei verschiedene Charakterlinien denen man abwechselnd folgt. Dunkirk erzählt aus der Perspektive eines britischen Soldaten, welcher an den Strand von Dünkirchen flieht und der, die bis an den Rand des Ärmelkanals getriebenen, hoffnungslos der Wehrmacht und Luftwaffe des deutschen Reiches ausgelieferten, britischen und französischen Armee begegnet. Gezeigt wird ein historisches Geschehen getreu des geschichtlichen Ablaufs in 1940, bei dem Die deutsche Wehrmacht in einem Sichelhieb die gesamten britischen Expeditionskräfte sowie Teile der französischen Armee from Rest des Landes abschnitt und an der Hafenstadt Dünkirchen im Norden Frankreichs einkesselten. Wir sprechen nicht von kleinen Verbänden sondern einer eingekesselten Menschenzahl von über 400.000 . Die Wehrmacht hielt vor Dünkirchen an und es lief ein Wettlauf der britischen Armee eine solche Zahl an Personen nach Großbritannien zu evakuieren. So viel zum Hintergrund, aber nun zu den Perspektiven. Neben diesen Soldaten sehen wir noch die Situation aus der Sicht eines Spitfire Jäger Piloten, welcher vom britischen Festland kommt um deutsche Sturzkampfbomber abzuschießen. Zwischenzeitlich sehen wir die Perspektive des Generals, welcher verzweifelt hofft seine Männer über den Ärmelkanal zu retten. Zu guter letzt wird das Bild vollendet durch das begleiten eines Vaters mit seinem Sohn und dessen Freund, welcher wie viele andere Zivilisten, mit ihrem Schiff aufbrechen um der britischen Armee bei der Evakuierung zu helfen. Dieser Film bietet so viele Perspektiven. Die Situation und Verzweiflung dieses historischen Geschehnisses wird aus vielen verschiedenen Rollen gezeigt, statt wie üblich einer. Das führen paralleler Linien mit einer solchen Anzahl an Protagonisten hat zu Folge, dass die Charakter Entwicklung, oder gar die Charakter als Individuen selbst in den Hintergrund geraten. in den Vordergrund steht das Geschehnis mit dem alle Protagonisten konfrontiert sind: Das umzingelte Dünkirchen. Es ist ein Meisterstreich Christopher Nolans Rollen dieses Geschehnis nur passiv erleben zu lassen. Und hier kommt die die Angst ins Spiel.

Dieser Film verwendet alle Register der Angst und hier ist wie er das macht. Du aller erst, nie sieht man die deutschen. Christoper Nolan setzt die Angst ein die jeder allzu gut kennt. Die Angst vor dem Ungewissen. Jeder spricht davon wie nah die deutschen sind und unser Protagonist wird zweimal von den deutschen beschossen, am Anfang als er zum Strand flieht und nur durch französische Straßensperren gerettet wird und bei dem Versuch ein Boot seetauglich zu machen und deutsche es als Zielübung benutzen. Niemals sieht man deutsche, der Feind der ihnen an den Versen klebt. Selbst zuletzt, als der Spitfire Pilot notlandet und von deutschen Soldaten gefangen genommen wird sind diese unfokussiert und verschwommen. Ihre Gesichter kann man nur erahnen. Und das ist der Trick. Die Illusion ist es die Gefahr nicht als viele Individuen, sondern als Kollektiv zu sehen. Das Kollektiv das sie umzingelt hat. Würde man auch nur einen Soldaten erkennen können, hätte man ihn als Individuum enttarnt und die Illusion wäre dahin. Man sieht Ju 87 Sturzkampfbomber die die am Strand stehenden Soldaten bombardieren, welche aus heiteren Himmel auf sie stürzen. Diese Flugzeuge, wie ihr historisches Original, sind mit Sirenen ausgerüstet welche bei Sturzgeschwindigkeiten beginnen ein dröhnendes Heulen von sich zu geben. Dieses Geräusch Kündigt die Flugzeuge an und lässt den Zuschauer erahnen was bevorsteht. Man kennt das Geräusch und weis was es bedeutet. Sorge resultiert in Angst. Folgende Szene ist besonders markant:

Quelle: Youtube, Scania Viking, Original von Warner Bros*²

Die Erste Szene zeigt wie Christopher Nolan die Angst beherrscht und weis wie man Spannung erzeugt. Spannung und Angst wird erzeugt wenn man eine Gefahr sieht, der Ausgang und die Wirkung jedoch ungewiss ist. In dieser Szene wird man zuerst mit Dem Geräusch der Sirenen betraut gemacht und man zeigt gleich das Flugzeug dazu, um dem Zuschauer beizubringen, dass er das Geräusch mit dieser Gefahr zu verbinden hat. dadurch kann er später das Geräusch nutzen und den Zuschauer in Spannung versetzen, ohne das Flugzeug zu zeigen. Unglaublich eindrucksvoll zeigt auch der Ausschnitt, bei dem sich der Protagonist sich auf den Boden schmeißt während Bomben hinter ihm hochgehen, wie man Spannung erzeugt. Der Zuschauer erkennt schnell das die Bomben in einem Muster, einer Linie, explodieren und der protagonist ist genau im Weg. Die Explosionen nähern sich immer weiter bis sie kurz vor ihm stoppen .Beeindruckend ist stehts die Musik von Hans Zimmer die den ganzen Film begleitet.

Ein wiederkehrendes Merkmal ist ein ticken oder ähnliche Geräusche, die an ein ticken einer Uhr erinnern. die Musik hebt sich jedoch das ticken bleibt stehts im selben Takt. Durch die hebende Musik erscheint das ticken schneller und ein Effekt des eilens taucht auf. Man bekommt den Eindruck des Zeitdrucks. Eine Permanente Spannung. Viel wird verwendet um einen stetigen Zeitdruck zu erzeugen. Man wird zum Beispiel in der Einleitung des Spitfire Piloten daran erinnert, dass er nur begrenzt Sprit hat. Das ist nicht genug denn später fällt sein Tankmessgerät aus und der Charakter sowie der Zuschauer ist im dunkel, wann denn der Tank entleert ist. Das Ungewisse ist ein permanenter Begleiter des films. Ein weiteres Merkmal, dass zu Folge hat das an sich als Teil des ganzen fühlt, ist die Kamerasicht. Man bekommt selten Sichten aus der Vogelperspektive, stattdessen ist man stehts auf Augenhöhe mit den Charakteren. Die Kamera schwenkt als wäre es der Augenverlauf eines Menschen und man fühlt sich als gestrandeter Soldat im großen Kessel.

Mein Fazit:

Dunkirk ist ein visuelles sowie audiotechnisches Meisterwerk. Man setzt auf Authenzität was man bereits daran sehen kann, dass der Bomber sowie die Jäger im Film kein CGI sondern echte Flugzeuge sind. Eine der wenigen erhaltenen Flugzeuge wurden für den Film gemietet. Dieser Film zeigt Christopher Nolans Fähigkeit Angst und Spannung zu erzeugen wie es nur wenigsten können. Dieses perfekte makellose Konstrukt der Angst, welches Nolan uns darbietet wird durch atemberaubende Musik von Hans Zimmer begleitet, welcher die Stimmung der gestrandeten Soldaten und den Zeitdruck einfängt. Der Film tauscht eine tiefe Charakter Entwicklung für eine Sicht aus allen Seiten und setzt den Fokus auf das Geschehnis statt den Charakteren. Der Film ist eine Symphonie so vieler Faktoren, dass sie einem das Erlebnis geben selbst da gewesen zu sein.

*²:

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